Zuerst las ich davon, dass der Zentralrat dem U21-Nationalspieler Ashkan Dejagah empfahl, das Team zu verlassen, dann davon, dass er sich über Eva Hermans Äußerungen empört zeigt. Daran sind wir ja gewöhnt. Der Zentralrat der Juden mischt sich ein. Soll er. Auch, wenns manchen nervt, es tut uns gut! Wir haben uns zu erinnern. Was in Deutschland passierte und wofür unsere Eltern und Großeltern irgendwie, trotz vieler gegenteiliger Bekundungen, doch mitverantwortlich gewesen sind. Das ist das Eine!
Auf der anderen Seite sehe ich einen Aspekt, der mir etwas Sorgen macht. Ich meine damit das schiere Verbot, sich mit gewissen Vergleichen zu erklären. Solche Vergleiche können peinlich, unangebracht oder einfach falsch sein. OK. Aber sie entspringen doch auch meistens der momentanen Sichtweise desjenigen, der ihn zieht. Steht derjenige im Fokus der Öffentlichkeit hat so etwas ungeheure Konsequenzen (s. den Fall Eva Hermann). Sitzen wir aber gemütlich am Stammtisch (gibt’s das eigentlich noch?) wird die Meinungsäußerung sehr viel milder, vielleicht sogar mit Beifall aufgenommen.
Ich habe auch schon in mancher Diskussion einen, wie ich nachher selbst fand, sehr unpassenden Vergleich herangezogen. Es ist immer schwierig, sich selbst zu korrigieren. Meine Schwester wirft mir selbst heute noch vor, dass ich während unseres Kinderkrieges nie dazu bereit war, meine eigenen Fehler einzugestehen. Ok, das ist heute anders. Man lernt ja auch irgendwie dazu.
Zu Sache: Was soll so schlimm daran sein, wenn Menschen heute die Meinung vertreten, dass die Familienpolitik der Nazis auch gute Seiten gehabt hätte oder wenn “festgestellt” wird, dass wir Hitler die Autobahn zu verdanken hätten (was ja im Übrigen gar nicht zutrifft). Ist es denn anzunehmen, dass aufgrund der Behauptung einiger Leute, die Haltung des deutschen Volkes womöglich umschlagen wird und es mehrheitlich zu einer Verklärung Hitlers oder gar des 3. Reiches kommen wird? Meiner Überzeugung nach bestimmt nicht!
Sollte es uns nicht vielmehr zu denken geben, wie viele Leute sich heute in der Öffentlichkeit (natürlich auch im Internet) zum Zusammenleben mit Menschen anderer Herkunft kritisch äußern und sogar permanente Hetzkampagnen gegen diese und beinahe selbstverständlich auch gegen Andersdenkende initiieren?
Ich glaube, wir halten das aus. Sonst sind wir nämlich keine Demokraten! Also, stellt euch nicht so pingelig an.













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Hallo Horst,
Ich bin eigentlich im Zusammenhang eines ganz anderen Posts auf Deinen Blog gestoßen: im Zusammenhang mit der Abmahnung, die Du hier offenbar wegen 2er Bilder erhalten hast, welche nicht von Dir stammten (?) Wie gesagt, ich kenne die Vorgeschichte hierzu nicht allzugenau – dazu aber in einem anderen Kommentar (im entsprechenden Blogeintrag) ausführlicher.
Dennoch steht das Thema mit dem ich mich (u.a.) auch gerade beschäftige sehr nahe zu diesem Thema: Familienpolitik. Außerdem interessierte mich schon immer die neuere Nachkriegsgeschichte…
Ich denke, was Eva Herman anbelangt: das hängt sehr deutlich mit ihrer Argumentation zusammen (vor allem die Art ihrer geäußerten Argumente)!! Das Statement, dass die Familie in der heutigen Zeit sehr wichtig sei (bzw. es auch zunehmend wieder ist in der politischen Diskussion), ist alles andere als “neu”. Die entsprechende Diskussion, auf welche Du Dich beziehst, habe ich – nebenbei bemerkt – auch verfolgen können. Das heutige Familienverständnis ist, unbestritten, nicht mehr das gleiche wie vor 50-60 Jahren – geschweige denn wie zur Zeit des NS-Regimes. Dennoch rechtfertigt dies nicht im geringsten einen Zusammenhang zum “rassenbehafteten” Verständnis der Familie (und der Stellung der Frau in ebensolcher) im Sinne der “nationalsozialisten Ideologie”, auch wenn sich Frau Herman “missverständlich ausgedrückt” haben mag (was sie ja nicht einmal eingesteht!). Die “Familienpolitik” der Nazis hatte keine “gute Seite“, sofern man überhaupt von Familien-”politik” in diesem Sinne sprechen darf. “Rassenzucht” war das oberste Privileg – kein Wunder ist die Frau da dem Kinde verpflichtet und genießt oberste Priorität, sollange sie eben ihre “Aufgabe” erfüllt. Nichts weiter stellte dies in der nationalsozialistischen Ideologie dar: eine Aufgabe! So ähnlich äußerte sich auch der “sachverständige” Professor (aus Berlin?) in eben benannter Diskussion, auf dessen Argumente sich Fr. Herman erst gar nicht einzulassen getraute! Schade, genau da wäre die Diskussion nämlich erst interessant geworden… :-(
Geht es um ein “traditionelles Familienverständnis”, dem sich Frau Herman möglicherweise verpflichtet fühlen möge, so hätte sie sich vielleicht besser auf das Verständnis der Familie der römisch-katholischen Kirche bezogen(?). Die Adresse “Nationalsozialismus” ist in jedem Fall absolut unpassend, meiner Meinung nach – so “traditionell” deren Familienverständnis auch habe sein mögen!
Aus meiner Sicht bedarf diese Frau keinerlei Mitleid diesbezüglich. Ihr Argument, dass die Familie auch weiterhin ein wichtiger Baustein der Gesellschaft darstellen solle, ging inmitten der Diskussion natürlich unter. Kein Wunder aber bei der gesehenen Performance bei Herrn Kerner! Mehr als kommerzielle Interessen sehe ich zur Zeit nicht hinter ihrem standhaften Beharren zu ihrem oftmals kritisierten Zitat.
Was die rechtliche Perspektive zur Familie anbelangt, bin ich durchaus der Ansicht, dass der Staat den “besonderen Status” der Familie aus Art. 6 I GG (“traditionionales Familienverständnis”) durchaus gewährt und schützt – über die Umsetzung lässt sich natürlich streiten, kein Thema! Mehr dazu – wenn auch in etwas anderem Zusammenhang – auch bald auf meinem Blog (sorry, die Schleichwerbung ^^).
Grüße, hQuadr.at
Mir fällt ad hoc kein Beispiel für gute Errungenschaften zwischen ‘33 und ‘45 ein – die Familienpolitik (u.a. mit dem “Aussortieren” behinderter Kinder) war es sicher nicht! Sie bringt einen Vergleich in einer Thematik, für die sie sich berufen fühlt, und beweist damit ihre Unkenntnis in Geschichte.
Eine sinnvolle (und sicher auch wichtige) Auseinandersetzung mit den ‘68er-Errungenschaften hat sie durch ihr dummes Verhalten, das sie gestern abend bei Kerner nur untermauert hat (Autobahnen!!!), vollkommen torpediert.
Und so etwas regt mich wirklich auf.
Und im Gegensatz zu Manes Meckenstock habe ich von ihr keine aufrichtige Entschguldigung für den wirklich geschmacklosen Vergleich zu lesen bekommen.
Bei Dejagah scheint mir die Sache anders gelagert. Hier scheint Bild wieder mal aus dem Vollen geschöpft zu haben. Was da wirklich gesagt wurde, wird man wohl nicht erfahren. Es scheint vor allem so zu sein, daß der junge Mann schlecht beraten ist.
Beide Vorfälle werden sicher nicht die allgemeine Meinung über das 3. Reich verändern. Daß der Zentralrat der Juden sehr schnell und heftig reagiert, ist in meinen Augen verständlich, auch wenn im zweiten Fall zumindest vorschnell reagiert wurde.
Deinem letzten Absatz kann ich allerdings nur zustimmen.
Nationalsozialismus hin oder her, das Entscheidente an Frau Herman ist, dass sie komplett daneben liegt. Soziologische Studien belegen, dass der Stellenwert von Ehe, Familie und Partnerschaft in der Gesellschaft sich ganz und gar nicht verringert hat, und dass das ständige Stammtischgerede um einen angeblichen Werteverfall, an dem die Emanzipation der Frau schuld sein soll, nur ein dummes – und leider oft von den Medien mitgeschürtes – Vorurteil ist. Ein Blick nach Frankreich oder Skandinavien zeigt eindrucksvoll, dass eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie auch zu entsprechend höheren Geburtenraten führt. In Deutschland oder Italien muss man sich dagegen oft für eines von beiden entscheiden. Welcher Frau in unserer Risikogesellschaft soll man es verübeln, dass sie sich lieber beruflich absichert und somit gegen Kinder entscheidet? Es tut fast schon physisch weh zu sehen, wie sehr Frau Herman auf dem Holzweg ist.
@Sozialarbeiter: was die Studien sagen, ist – wie ich denke – immer mit absoluter Vorsicht zu genießen. Gerade wenn es um die “Werte” einer Gesellschaft geht, die man statistisch messen will. Es gibt einfach keine verlässlichen “Zahlen” darüber, wie sich die Menschen der (deutschen) Gesellschaft partnerschaftlich (tatsächlich) verhalten. In der Statistik des dt. Bundesamtes für Statistik (www.destatis.de) wird bei “nicht-ehelichen Partnerschaften” noch nicht einmal zwischen heterosexuellen Paaren und “gleichgeschlechtlichen” Paaren unterschieden – eine Unterscheidung/Schätzung noch nicht einmal ansatzweise möglich und nur über Mutmaßungen möglich. Gerade was die Zahl gleichgeschlechtlicher Paare (sprich: schwule oder lesbische Paare) anbelangt, hat die Statistik KEINE Chance zur heutigen Zeit, irgendwelche aussagenden Zahlenwerte zu erreichen. Die Gründe hierzu (im Falle der Schwulen/Lesben) sind ebenso vielfältig, wie sich heterosexuelle “Partner” auch offiziell als solche in einer Statistik wiederfinden lassen. Mit anderen Worten: was nicht-eheliche Partnerschaften oder gar “Lebenspartnerschaften” anbelangt, existieren bislang keine ZAHLEN, lediglich Schätzungen und Vermutungen. Genau so, wie es über JAHRE gehalten wurde, gerade was Schwule/Lesben anbelangt: man schätzte…! Warum sollte man eine nicht eheliche Partnerschaft angeben, wenn es keine rechtlichen Begünstigungen, geschweige denn gesellschaftliche Rituale zur Zugehörigkeit, gibt? Zur Erinnerung: wann war die letzte Volkszählung in Deutschland (und wie genau erfasst eine solche die zahlreichen “Fälle”, die nicht amtlich gemeldet sind?)? Wie war da die Gesetzeslage? Wie war da die gesellschaftliche Rezeption nicht-ehelicher Lebensgemeinschafern (hetero- oder homosexuell spielt keine Rolle)? Alle diese Faktoren sind wichtig, können aber von keiner derzeit existierenden Statistik oder Schätzung beantwortet werden. Was aber definitiv gesagt werden kann, ist: die “Liebe” selbst hat sich nicht verändert, höchstens die möglichen Lebensformen die daraus entstehen können in “der heutigen Welt”, genauer: in dem heutigen Deutschland. Insofern stimme ich Dir zu, dass sich das (angenommene) Wertebild der Gesellschaft zwar verändert hat (insb. nichteheliche Partnerschaften & homosexuelle Partnerschaften), zumindest gewissermaßen. Was die “Liebe” ansich betrifft: die hat sich nicht verändert, eher die rechtlichen Rahmen, in denen diese gehandhabt wird (Ehe, Familie). Das Ergebnis ist nicht eindeutig – und betrachtet man die statistischen Ergebnisse genauer, so lassen sich je nach Sichtweise dann wieder andere Schlüsse ziehen… Statistiken halt :d
@hQuadrat: Hermans Vergleich war unpassend. Das finde ich auch. Sie hat sich schlecht ausgedrückt. Es gibt dafür stärkere, womöglich auch klarere Worte. Aber das ist eigentlich nicht mein Punkt. Vielmehr finde ich, dass der Umgang mit anderen Meinungen immer problematischer wird, vor allem im Internet. Missverständlich hat sie sich ausgedrückt, aber ist es deshalb richtig, sie so zu behandeln, wie es in der TV-Sendung von Kerner geschehen ist? Und zwar einmal ganz davon abgesehen, ob diese Eskalation nun geplant war oder nicht. So sollte man miteinander jedenfalls nicht umgehen. Das war, jedenfalls meiner Meinung nach, auch nicht das, was Pfarrer Haag, den ich hier von ein paar Tagen zitiert hatte, gemeint habe dürfte.
@Sozialarbeiter: Ich bin überhaupt nicht der Meinung, dass Frau Herman so komplett daneben liegt. Ihre Meinung steht nur im diametralen Gegensatz zum Zeitgeist. Du beziehst dich auf wissenschaftliche Erkenntnisse. Darüber verfüge ich nicht. Ich bin auch keinesfalls der Meinung, dass man aus dieser Debatte wiederum eine solche ableiten sollte, die sich am Ende gegen die Linken (68-er) richten lässt. Aber für so unbegründet, wie die Kritik Hermans am heutigen Selbstverständnis angeblich ist, halte ich persönlich sie nicht. Warum gibt es heute so viele Scheidungen? Warum nehmen die Menschen nicht mehr Rücksicht auf ihre Kinder? Das sind einfache Fragen. Aber es wäre schon interessant, die Gründe dafür zu finden, warum sich die Gesellschaft in dieser Form entwickelt hat. Von der Art und Weise, wie Frau Herman ihre Meinung vorgetragen hat und vorträgt distanziere ich mich allerdings in aller Form.
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