Steuerhinterziehung: Zahl der Selbstanzeigen steigt drastisch

Immer mehr deutsche Steuersünder zeigen sich in der Hoffnung auf Straffreiheit selbst an. Das belegen zumindest die Zahlen, die die 16 bundesdeutschen Landesfinanzämter einer Umfrage des „manager magazin online“ zufolge vorgelegt haben. Nach Auskunft der Finanzbehörden hat demnach die Zahl der selbst angezeigten Steuerstraftaten in 2013 bereits im ersten Halbjahr fast die Marke des gesamten Vorjahres erreicht.

Prominente Selbstanzeigen, das Auftauchen von steuerrechtlich brisanten Daten-CDs und nicht zuletzt der Offshore-Skandal um Schwarzgeldkonten im Ausland scheinen das Bewusstsein der Steuerzahler geschärft zu haben. Die aufsehenerregenden Berichte um immer neue Steuervergehen und großangelegte Hinterziehungsaktionen scheinen darauf hinzudeuten, dass es immer riskanter wird, den Staat in größerem Ausmaß zu betrügen. Entsprechend wächst die Angst vor Entdeckung, und damit offenbar auch die Bereitschaft, sich selbst als reumütigen und wiedergutmachungswilligen Steuerzahler zu offenbaren.

Über 6300 Selbstanzeigen sind seit Jahresbeginn laut Umfrage bei den zuständigen Finanzämtern eingegangen, allein 1076 davon – und damit mehr als in ganz 2012 - in Nordrhein-Westfalen. Das bevölkerungsreichste Bundesland zeigt damit die deutlichste Steigerungsrate. In weiteren neun Bundesländern sind in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ebenfalls schon mehr Selbstanzeigen eingegangen als in 2012. Den Spitzenplatz nehmen dabei mit 1580 selbstangezeigten Steuervergehen die Steuerpflichtigen in Baden-Württemberg ein, gefolgt von den Steuersündern in NRW und Bayern. Auch in Hessen, in Schleswig-Holstein und in Rheinland-Pfalz waren abgabepflichtige Bürger im ersten Halbjahr 2013 selbstanzeigenaktiver als im gesamten Vorjahr. Alle anderen Bundesländer rechnen ebenfalls mit Rekordzahlen. Nur in Mecklenburg-Vorpommern scheint die Bevölkerung unbeeindruckt. Fünf Selbstanzeigen zählten die dortigen Finanzämter bis im Mai 2013. Das entspricht ungefähr dem Anzeigenverlauf im Vorjahr, in dem am Ende zehn selbstangezeigte Tatbestände zu Buche standen.

Die Sorge, steuerstrafrechtlich schneller als früher entdeckt zu werden, ist nicht ganz unbegründet. Denn nicht nur in der Bundesrepublik, sondern auch in anderen europäischen Ländern sind die Gesetze zur Verfolgung und Bestrafung von Steuerstraftaten im Laufe der Zeit verschärft worden. Dazu kommt, dass sich die innereuropäische Zusammenarbeit hinsichtlich der Verfolgung grenzübergreifender Steuervergehen deutlich verbessert hat. Innerhalb der EU sollen die Grenzen für das Bankgeheimnis sogar noch in diesem Jahr ganz fallen. Kein Wunder also, dass deutsche Steuerstraftäter in außerdeutschen europäischen Bankfilialen nur noch selten willkommen sind.

Foto Credits: pixelpart / pixelio.de

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